TRIEBWAGEN 100

neuer Fahrzeugtyp, den die Westfälische Straßenbahn GmbH am 15. Mai 1931 auf ihrem Betriebshof in Gerthe der Presse vorstellte: Der für den Einmannverkehr konzipierte Triebwagen 100.

Die beiden Fotos zu diesem Kapitel entstanden während des Pressetermins (oben Sammlung Dieter Höltge / Sammlung Stefan Höltge, unten BOGESTRA-Fotosammlung).

RUNDUM INNOVATIV

Der von der Waggonfabrik Uerdingen entwickelte Triebwagen war in jeder Hinsicht innovativ. Die bedeutendste Abweichung gegenüber den zuvor in Wattenscheid eingesetzten Straßenbahnwagen war das dreiachsige Fahrgestell, mit dem bei geringer Achslast ein geräumiger und stabilerer Wagenkasten verwirklicht werden konnte.

Die Waggonfabrik Uerdingen hatte den Probewagen auf Basis eines Lenkgestells konstruiert, das rund 80 Prozent Adhäsion aufwies. Eine quer verschiebbare Mittelachse stellte über Winkelhebel und Steuergestänge die Endachsen bei Kurvenfahrten radial ein. Letztere waren aufgrund unbelasteter Drehzapfen schwenkbar. Die Mittelachse wurde in der Geraden durch eine federbelastete Rolle in der Geraden abgestützt. Gute Voraussetzungen für die Leither Linie mit der Steigungsstrecke in der Oststraße und dem engen Abzweig von der Westenfelder Straße in die Bahnhofstraße.

Der Wagenkasten des Triebwagens war vollständig aus Stahl hergestellt. Er besaß eine Länge von 10,6 Metern und eine Breite von 2,1 Metern. Das Gesamtgewicht betrug 11,8 Tonnen.

GUMMIGEFEDERTE RADSÄTZE

Außer dem dreiachsigen Fahrgestell mit gummigefederten Radsätzen wies der Wagen noch eine Reihe weiterer Besonderheiten auf. Hervorzuheben sind insbesondere die druckluftbetätigten, nach außen öffnenden Falttüren. Mit der Türmechanik verbunden war eine Trittstufe, die beim Öffnen der Türen automatisch heruntergeklappt wurde.

Die Rücklehnen der 26 gepolsterten Sitze ließen sich beim Wechseln der Fahrtrichtung umlegen. Außerdem bot das Fahrzeug 38 Stehplätze.

Das Fahrzeug wurde von zwei Motoren mit jeweils 41,5 KW Leistung angetrieben. Sie wurden über eine vollautomatische Steuerung mit zentralem Schaltwerk, das unter einer Längsbank im Fahrgastraum angeordnet war, betätigt. Neu war außerdem eine Totmann-Einrichtung, die den Wagen bei einem plötzlichen Ausfall des Fahrers automatisch zum Stillstand brachte.

ENDE IN RUHRORT

Nach der Einstellung der Linie nach Leithe am 20. Februar 1932 fand die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG als Betriebsführerin der Westfälische Straßenbahn kein adäquates Einsatzgebiet für das Fahrzeug. So gab man den Wagen an die Kreis Ruhrorter Straßenbahn weiter. Dort erhielt er die Wagennummer 101. Die zukunftsweisende Technik bewährte sich auch in Ruhrort nicht. Bereits 1934 wurde der Probewagen ausgemustert.