NORDSTRASSE

Wie bereits beschrieben, wurde die von Gelsenkirchen kommende Straßenbahnlinie vom Bahnhof Ueckendorf-Wattenscheid über die damalige Nordstrasse und die Freiheitstrasse in die Wattenscheider Innenstadt geführt.

Als am 1. April 1926 aus dem Amt Wattenscheid und den umliegenden Gemeinden die neue Mittelstadt Wattenscheid entstand, wurde die Nordstrasse umbenannt: Zu Ehren der in Wattenscheid als Patronin der Prosteikirche und der Stadt verehrten Heiligen Gertrud von Nivelles (626 – 659) erhielt sie den neuen Namen Gertrudisstraße.

Die hier als Beitragsbild gezeigte Postkarte aus dem Jahr 1905 zeigt die Nordstraße in Höhe der rechts einmündenden Vorstadtstraße (Verlag Reinicke & Rubin, Magdeburg – Sammlung Ludwig Schönefeld).

Das Eckgebäude mit dem interessanten Dach beherbergte einst die Wirtschaft „Zum Korken“ von Anton Bomers. Das Haus existiert in weitgehend unveränderter Form bis heute (Oberhof 40). In der Straßenflucht ist am Horizont das ehemalige Verwaltungsgebäude des Wattenscheider Gaswerkes andeutungsweise zu erkennen (heute Ückendorfer Straße 62).

MIT ETWAS PHANTASIE

Offenbar war es nicht möglich, für die fotografische Vorlage der Postkarte einen Straßenbahnwagen für einige Minuten anzuhalten. So wurde kurzerhand und mit etwas Phantasie ein Wagen in das Bild hineingemalt.

Vorlage war der damals zwischen Bochum und Werne eingesetzte modernste Fahrzeugtyp der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG. Der Triebwagen mit der Wagennummer 76 war der erste Serienwagen der in den Jahren 1900 und 1901 von der Waggonfabrik Weyer & Co. in Düsseldorf gelieferten Triebwagen 76 bis 102 sowie 120 bis 150.

Historisch nicht korrekt ist das Zielschild „Werne“: Endstelle der Linie von Wattenscheid nach Werne war die rund einen Kilometer entfernte Ausweiche an der Friedenskirche. Durch die Nordstraße fuhr nur die Straßenbahn von Gelsenkirchen nach Wattenscheid.

Auftraggeber der Postkarte war vermutlich Heinrich Voortmann, der Betreiber des links abgebildeten Gasthauses mit angeschlossener Pferdefutter-/Fourage-Handlung. Es stand mit der Frontseite an der Verbindungsstraße zwischen der Nordstraße und dem Gertrudisplatz. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gasthof, den Voortmann später „Jägerhof“ nannte, zerstört. Heute steht an seiner Stelle ein modernes Wohnhaus.

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