GEMEINSCHAFTLICH

Unter dem Druck der französischen Ruhrbesetzung und einer galoppierenden Inflation war Anfang der 1920er-Jahre ein rentabler Betrieb der Linie von Herne nach Höntrop nicht möglich. Ähnlich erging es anderen Verbindungen im mittleren Ruhrgebiet.

Eine spürbare Verbesserung sollten Gemeinschaftsverkehre zwischen der Westfälischen Straßenbahn GmbH und der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG bringen.

Die Initiative dazu hatte der am 5. Mai 1920 durch die Preußische Landesversammlung in Berlin mit Sitz in Essen gegründete Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) ergriffen. Sein Nachfolger ist heute der Regionalverband Ruhr (RVR).

Das der Gründung des SVR zugrunde liegende Gesetz übertrug dem Verband als Kernaufgabe die „Förderung des Kleinbahnwesens“ im Ruhrgebiet. Ziel war es, ein zusammenhänges und aufeinander abgestimmtes Nahverkehrsnetz zu schaffen. Dazu sollten die Gleisanlagen gemeinsam genutzt werden. Wo immer es die Spurweite der Strecken zuließ, sollten physische Verbindungen unter den Streckennetzen geschaffen werden.

Um die miteinander konkurrierenden Gesellschaften an einen Tisch zu bringen, wurde der „Verein der Straßen- und Kleinbahnen des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk e.V.“ initiiert.

Langfristig sollte die Zusammenführung der Verkehrsunternehmen des Ruhrgebiets in einer Einheitsgesellschaft erreicht werden. Ein Vorhaben, das zunächst durch den Zweiten Weltkrieg verhindert wurde, später aber in Form der Stadtbahngesellschaft Rhein-Ruhr und des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr wieder aufgegriffen wurde.

Drei der Gemeinschaftsverkehre betrafen die Verbindung von Herne nach Höntrop.

Der Streckenast von Günnigfeld nach Eickel II / Dorstener Straße der Westfälischen Straßenbahn GmbH wurde mit der von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG betriebenen Linie von Horst-Süd über Gelsenkirchen und Ückendorf nach Günnigfeld verbunden. Diese Gemeinschaftslinie ging als neue Linie 5 in Betrieb.

Der Streckenast von Eickel II über Baukau nach Herne wurde Bestandteil einer neuen Gemeinschaftslinie 3 von Herne über Eickel II und Wanne nach Gelsenkirchen.

Der Streckenast von Günnigfeld über Wattenscheid nach Höntrop wurde Teil einer neuen Linie 10 von Günnigfeld nach Langendreer.

Der Gemeinschaftsverkehr wurde am 16. September 1924 aufgenommen. Für die Strecke von Eickel II nach Höntrop hatte er bis zum 19. Februar 1928 Bestand, für die Strecke von Eickel II nach Herne bis zum 12. März 1931.

Das Foto (Sammlung Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte) zeigt den Betriebshof Eickel der Westfälischen Straßenbahn zur Zeit des Gemeinschaftsverkehrs: Ganz rechts ist ein wohl 1925 von der Waggonfabrik Gastell an die Bochum-Gelsenkirchener Strapßenbahn gelieferter Triebwagen mit der Beschilderung für die Linie 10 zu sehen, in der Wagenhalle ein Triebwagen der ehemaligen Kommunalen Straßenbahn, ausgeschildert für den Einsatz auf der Linie 3.