LINIE 302

Nach der Zäsur des Zweiten Weltkrieges wurde der Straßenbahnbetrieb mit dem Stand von 1940 in kleinen Schritten wieder aufgenommen. Endstelle der Linie 2 war ab Mai 1950 wieder Hassel.

GROSSRAUMWAGEN

In Wattenscheid bemühte sich die Stadt um eine Optimierung der Verkehrsführung. Um einen möglichst flexiblen Betrieb der ab 1952 eingesetzten Einrichtungswagen zu ermöglichen, wurde im November 1953 mit dem Bau eines Wendedreiecks am Schlachthof begonnen. In der Innenstadt wurden der Abzweig in die Westenfelder Straße und ein Gleiswechsel in der Hochstraße entfernt.

In Gelsenkirchen-Buer wurde die Linie 2 bis zu einer neu errichteten Wendeschleife an der Königswiese verkürzt. In Bochum entstanden nach und nach Wendemöglichkeiten für Einrichtungswagen an der Wattenscheider Straße, am „alten“ Hauptbahnhof / Handelshof sowie in der Jahn-, Arndt- und Scharnhorststraße am Bahnhof Bochum-Nord. Diese wurde ab dem 30. Mai 1957 als Endstelle der Linie 2 in Bochum genutzt.

Die anschließende Bildfolge, zu der auch das 1964 aufgenommene Beitragsbild von Triebwagen 209 in der Gertrudisstraße gehört (Frits van der Gragt – Sammlung VDVA), dokumentiert den Einsatz vierachsiger Großraumwagen auf der „2“. Anfangs verkehrten sie mit zweiachsigen Anhängern. Später folgten passende Großraum-Beiwagen. 1964 wurden die insgesamt 16 Großraumwagen zu sechsachsigen Gelenktriebwagen umgebaut.

Die Gleisführung im Wendedreieck am Wattenscheider Schlachthof wurde zwischen März und Juni 1959 optimiert. Die Einrichtungswagen konnten jetzt in beide Fahrtrichtungen wenden.

  • Der Großraumwagen erklimmt die leichte Steigung in der Oststraße. 1960.
    Unveröffentlichte Postkarte Verlag Cramers Kunstanstalt Dortmund - Sammlung Ludwig Schönefeld

STANDARDWAGEN

Mit dem Fahrplanwechsel zum 25. Juni 1963, nach anderen Quellen zum 4. November 1963 wurden die Einrichtungswagen auf der Linie 2 weitgehend durch Zweirichtungswagen abgelöst. Da zugleich die Endstelle in Buer von der Wendeschleife Königswiese zur Stumpfendstelle am Rathaus Buer verlegt wurde, konnten die Einrichtungswagen jetzt auch nur noch sehr eingeschränkt auf der Linie 2 eingesetzt werden.

Der Straßenbahnfreund Dieter Höltge unternahm am 25. April 1966 eine Reise nach Bochum. Dabei dokumentierte er unter anderem den Einsatz der Zweirichtungswagen in der Wattenscheider Innenstadt: Es hatte sich herumgesprochen, dass die Verlegung der Strecke über den neu gestalteten Augus-Bebel-Platz kurz bevor stand.

Am 25. Juni 1967 werden das Wendedreieck am Schlachthof ebenso wie die Streckenführung über die untere Gertrudisstraße zugunsten einer gut ausgebauten Neubaustrecke über die Lyrenstraße und die neu angelegte Friedrich-Ebert-Straße aufgegeben. Im Laufe des Jahres 1968 – in Richtung Gelsenkirchen ab dem 3. Mai 1968, in Richtung Bochum ab dem 18. Mai 1968 – folgt die Fortsetzung der Neubaustrecke über den in vierjähriger Bauzeit neu angelegten August-Bebel-Platz zur Hochstraße.

In Bochum wird die Linie 2 mit dem Fahrplanwechsel am 6. Mai 1968 werktags bis zu einer in unmittelbarer Nachbarschaft des neu entstandenen Opel Werk I in Bochum-Laer angelegten Endschleife verlängert. Im Wattenscheider Stadtzentrum entstand die Zentralhaltestelle August-Bebel-Platz, wo sich bis heute alle in Wattenscheid verkehrenden Straßenbahnen und Busse treffen.

  • Im April 1966 begleitete Dieter Höltge die Zweirichtungswagen durch die Wattenscheider Innenstadt.
    Foto Dieter Höltge - Sammlung Stefan Höltge

VERKEHRSVERBUND RHEIN-RUHR

Am 1. Januar 1980 erhielt die Städteverbindung von Bochum nach Gelsenkirchen im neu gegründeten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr die Liniennummer 302, unter der heute moderne Niederflurwagen in Wattenscheid unterwegs sind.

Für einige Jahre, bis zum Abbruch des mit der Zeche Holland im Hintergrund sehr fotogenen Wattenscheider Amtsgerichts im Herbst 1978, bestand zwischen der Gertrudisstraße und der neuen Haltestelle Wattenscheid Rathaus eine letzte Engstelle. Ab dem 18. Januar 1986 war die Engstelle in Richtung Gelsenkirchen beseitigt, ab dem 25. Januar 1986 dann auch in Richtung Bochum.

Die Bildfolge zeigt Fotos der Linie 2 im Wandel zur 302. Das letzte Foto ist zugleich mein erstes Straßenbahnfoto, aufgenommen 1973 an dem Tag, als der Förderturm der Zeche Centrum gesprengt wurde. Das Ereignis weckte mein Interesse für die Wattenscheider Geschichte und für die Straßenbahn. Die Kamera war ein Geschenk zur Erstkommunion (1972). Der Film war ein mühsam ersparter Instamatic-126-Film von Kodak.

  • 1965 wurden Triebwagen 261 und MAN-Bus 332 im Wendedreieck am Schlachthof aufgenommen.
    BOGESTRA Fotosammlung