HERNE – HÖNTROP

Die Straßenbahnverbindung von Herne über die Gemeinden Baukau, Eickel, Hordel, Günnigfeld nach Wattenscheid und von dort über Westenfeld nach Höntrop wurde am 16. Januar 1908 durch die Kommunale Straßenbahn-Gesellschaft Landkreis Gelsenkirchen in Betrieb genommen. Ihr Betriebsmittelpunkt und das Depot lagen in Eickel.

In Wattenscheid fuhr die Kommunale Straßenbahn von der Horderler Straße (heute Günnigfelder Straße) kommend über die Hüller Straße, die Rosen- und Hagenstraße bis zur Oststraße. In der Oststraße durfte das Gleis der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn befahren werden. Dazu wurde an der Einmündung der Freiheitstraße eine Weiche eingebaut. Nach wenigen Metern zweigte die neue Strecke an der evangelischen Kirche in die Chausseestraße (heute Westenfelder Straße) nach Westenfeld und Höntrop ab.

Ein vor allem am Wochenende beliebtes Fahrtziel war der „Bierstall“ in Wattenscheid. Hier wurde auch 1908 während der Fotofahrt des Siemens-Fotografen Halt gemacht (Siemens Historical Institute).

Nach der Übernahme der Betriebsführung der Kommunalen Straßenbahn durch die Westfälische Straßenbahn erhielt die Linie Herne-Höntrop zunächst den Buchstaben G als Liniensignal.

Wirtschaftlich erfolgreich war die Linie von Herne nach Höntrop nicht. Einen gewissen Rationalisierungseffekt versprach sich die Westfälische Strassenbahn durch die Verbindung der Strecke mit der ebenfalls von ihr betriebenen Verbindung Herne – Gerthe. Sie wurde am 20. Dezember 1921 durch die Inbetriebnahme neuer Gleisanlagen in Herne möglich. Als Linie C verkehrte die Bahn nunmehr von Gerthe über Herne nach Höntrop.

1922 musste der Verkehr zwischen Herne und Höntrop dennoch eingestellt werden. Zu groß waren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Im April 1923 wurde der Verkehr wieder aufgenommen. Jedoch stabilisierte sich die Lage erst nach der Einführung der Rentenmark im Oktober 1923 und ihrem Ersatz durch die neue Reichswährung im August 1924.

Auch in den folgenden Jahren blieb die Verbindung von Herne nach Höntrop unrentabel. Da sie nicht die einzige notleidende Strecke der Westfälischen Straßenbahn GmbH war, kam es 1937 zum Konkurs. Die Strecken der Westfälischen Straßenbahn GmbH wurden durch die Bochum-Gelsenkirchener Strassenbahnen AG übernommen.

Diese ersetzte zum 1. Januar 1938 die Straßenbahnlinie G durch die Omibuslinie E. Ihrem Streckenverlauf folgte – mit Ergänzungen über die ehemaligen Endstellen der Straßenbahn hinaus – in den 1970er-Jahren die Omnibuslinien 90, ab 1980 dann die Linie 390.

Eine letzte Spur der Linie G ist der von der Endstelle der Linie 310 nach Westenfeld führende Radweg. Er verdankt seine großzügige Anlage dem Anfang der 1930er-Jahre gefaßten Plan, die Straßenbahn zwischen Höntrop und Westenfeld auf eigenem Bahnkörper neu anzulegen.

Der Betriebshof der Bahn in Eickel wurde zunächst noch als Straßenbahnbetriebshof für die Verbindung von Bochum nach Wanne-Eickel genutzt, später dann als Omnibusbetriebshof. Inzwischen existiert auch er nicht mehr.

  • Eine Fahrt mit der Kommunalen Straßenbahn ...
    Siemens Historical Institute