WATTENSCHEID – LEITHE

Bei der Übernahme der Betriebsführung der Kommunalen Straßenbahn-Gesellschaft Landkreis Gelsenkirchen hatten sich die Wattenscheider Stadtväter vertraglich den Bau einer Straßenbahnlinie vom Staatsbahnhof Wattenscheid in Westenfeld nach Leithe zusichern lassen.

Der Erste Weltkrieg verzögerte das Vorhaben. Erst am 11. Oktober 1925 wurde die neue Straßenbahnlinie unter der Bezeichnung L eröffnet – allerdings zunächst zwischen der Evangelischen Kirche in Wattenscheid und der Wirtschaft Kampmann in Leithe. Die neue Strecke zweigte an der unteren Oststraße vom bestehenden Streckengleis ab und verlief dann zunächst am Getrudisplatz entlang zur Einmündung der Weststraße. Der Weststraße folgte das Gleis überwiegend in der Straßenmitte bis Leithe.

Am 23. Oktober 1927 folgte die Verbindung von der Evangelischen Kirche über die Bahnhofstraße bis zum Bahnhof Wattenscheid. Dabei lag das Gleis zwischen der Westenfelder Straße und der Endstelle am Bahnhof auf der linken Straßenseite.

1928 war noch eine Verlängerung der Linie von Leithe nach Kray geplant, wo man eine Verbindung mit der Schnellstraßenbahn nach Essen anstrebte. Im Verlauf der Kemnastraße wurde dafür ein eigener Bahnkörper angeschüttet, der bis heute als Fahrradweg erkennbar ist.

Erfolgreich war die Linie L nicht. Am 20. Februar 1932 auf der Relation von Wattenscheid nach Leithe eingestellt und durch Omnibusse der Firma Koriath ersetzt. Die Westfälische Straßenbahn zog sich zurück.

Um das verbliebene Teilstück zum Bahnhof Wattenscheid bemühte sich jetzt die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn. Zunächst mit Solowagen, die als Linie 1 E zwischen dem Schlachthof in Wattenscheid und dem Reichsbahnhof Wattenscheid verkehrten.

Ab dem 8. September 1935 erhielt die Linie das Liniensignal 9. Sie wurde bis zum Alten Markt in Gelsenkirchen verlängert. Dadurch wurde der Fahrplantakt zwischen Wattenscheid und Gelsenkirchen verdichtet, das Teilstück zum Bahnhof blieb wenig frequentiert.

Am 31. Dezember 1937 wurde die Linie zum Bahnhof zeitgleich mit der Linie G stillgelegt. Der Abzweig in die Westenfelder Straße in Wattenscheid blieb noch bis in die 1950er-Jahre als Bedarfsendstelle für Einsatzwagen erhalten.

Ein Teil der Gleise aus der Weststraße sollen nach neuen Quellen im Mai 1947 entfernt worden sein, um schadhafte Gleisabschnitte in der Oststraße zu reparieren. Ein letztes Gleisstück der Linie L lag noch bis zur Stillegung der Anschlußbahn der Zeche Holland zwischen den Gleisen der Zechenbahn.

Fotos von der Linie L sind ausgesprochen selten. Das privat entstandene Beitragsbild aus der Sammlung von Rudolf Wantoch zeigt Triebwagen 217 am Wattenscheider „Ehrenmal“.

  • Streckenverlauf der Linie L in der Bahnhofstraße, rechts ensteht wenig später das "Ehrenmal".
    Stadtarchiv - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte