LINIE 1

Bei der Einführung von Liniennummern erhielt die Strecke 1907 die Nummer 1 als Liniensignal. Der Linienweg der 1 begann am Bahnhof Schalke-Nord. Er führte durch die Gelsenkirchener Innenstadt und Wattenscheid zum Bahnhof Bochum-Süd.

Ab dem 1. September 1921 mussten sich die Fahrgäste auf der Linie von Bochum nach Gelsenkirchen an eine neue Liniennummer gewöhnen: 1a. Grund dafür war ein zwischen Essen und Gelsenkirchen aufgenommener Gemeinschaftsverkehr von Gelsenkirchen über Bismarck, Erle, Buer, Horst und Karnap bis nach Bredeney. Die neue Verbindung erhielt die Nummer 1.

Die hohe Frequenz der Straßenbahnfahrten auf der Linie 1, die gemeinsame Nutzung der Oststraße in Wattenscheid und der Bau der neuen Straßenbahnverbindung nach Leithe erforderten 1925 eine Verbesserung der Verkehrsführung in der Wattenscheider Innenstadt.

Von Gelsenkirchen aus wurde im Frühjahr der zweigleisige Ausbau der Strecke bis zum Schlachthof vorangetrieben. In der Oststraße ermöglichte eine im Juli 1925 eingebaute doppelte Parallelgleisverbindung am Hotel Hagedorn – dort, wo im Titelbild dieser Website die Straßenbahn steht – die Trennung der aus der Freiheitstraße kommenden Linie 1 und der aus der unteren Oststraße kommenden Linien G und L der Westfälischen Straßenbahn.

In einem nächsten Schritt wurde im August 1925 zwischen Rathaus und Amtsgericht eine Weiche eingebaut, die in der Freiheit- und Hagenstraße den Richtungsverkehr der Linie G erlaubte. Im März 1927 legte dann die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG vom Schlachthof aus ein neues Richtungsgleis nach Bochum über die untere Getrudisstraße bis zur Einmündung Hagenstraße. Dort wurde eine Weiche angelegt, um das neue Gleis in das bestehende Gleis der Westfälischen Straßenbahn einfädeln zu können.

Parallel zu den Arbeiten in der Innenstadt wurde die Strecke auch zwischen der Friedenskirche und der Stadtgrenze nach Bochum bis Mitte Anfang 1925 zweigleisig ausgebaut. Am 15. August 1925 trat ein neuer Fahrplan in Kraft. Durch den Ausbau in Wattenscheid konnte die Fahrtzeit zwischen Gelsenkirchen und Bochum neun Minuten verkürzt werden. Nach dem Austausch der Gleisanlagen in der Wattenscheider Innenstadt zwischen der Parallelgleisverbindung (Oststraße 37) und den Häusern Hochstraße 5 sowie Westfenfelder Straße 6 war ab Mitte Juni 1931 auch das letzte Schienenstück aus der Eröffnungzeit auf neuestem Stand.

Fotos der Linie 1 in Wattenscheid sind sehr selten. Umso mehr freue ich mich, dass ich hier eine 1937 gelaufene Postkarte zeigen kann (Unbekannter Verlag – Sammlung Ludwig Schönefeld). Sie zeigt Triebwagen 528 (Gastell 1926) an der Haltestelle Wattenscheid Rathaus auf dem Weg nach Gelsenkirchen. In der Häuserzeile links ist als drittes Haus das Haus Freiheitstraße 8 zu erkennen, in dem mein Großvater Dr. Wilhelm Schönefeld und mein Vater praktizierten. An den Fenstern im ersten Stock soll ich als Kleinkind jeder ankommenden Straßenbahn zugejubelt haben.